Übersicht der Online-Zahlarten in Deutschland

Das größte Hindernis beim Online-Shopping ist nach wie vor der Zahlungsprozess. Finden Kunden im Warenkorb nicht die gewohnte Zahlart wieder, sind Kaufabbrüche die Folge. Laut einer Studie des EHI Retail Institutes ist der Rechnungskauf dabei das beliebteste Zahlverfahren. Mit einem Marktanteil von gut 25% liegt der Kauf auf Rechnung dabei noch deutlich vor anderen Zahlverfahren wie z.B. PayPal, Kreditkarte, Vorkasse oder Nachnahme. Hier finden Sie eine Übersicht aller Zahlarten sowie aktuelle Studien.

Kauf auf Rechnung

Die Rechnung ist bei deutschen Verbrauchern die beliebteste Zahlart und spielt seit ihrer Einführung bis heute ein wichtige Rolle. Bei dieser Art der Bezahlung geht der Händler das volle Risiko eines Zahlungsausfalls ein. Dies wird jedoch mit der hohen Akzeptanz seitens der Kunden kompensiert, da die Käufer hier von der sichersten Zahlungsabwicklung ausgehen. Die Abwicklung übernimmt der Händler in der Regel nicht selber, sondern greift auf spezialisierte Dienstleister zurück. Das Ausfallrisiko geht in diesem Fall komplett auf den Dienstleister über, der dem Händler wiederum die Zahlung garantiert.

Vorteil:

  • Hohe Kundenakzeptanz, dadurch auch entsprechend hohe Konversionsrate

Nachteil:

  • Hohes Risiko von Zahlungsausfällen oder -verzögerungen für den Händler, wenn kein spezialisierter Dienstleister für die Zahlungsabsicherung beauftragt wurde

Kreditkarte

Zu den klassischen Zahlungsarten im Handel – online wie offline – zählt seit jeher die Kreditkarte. Notwendig zur Bezahlung seitens des Kunden ist die Nummer der Karte, die Prüfnummer sowie das Datum der Gültigkeit. Bei manchen Karten muss zusätzlich ein sogenannter 3D-Secure-Code angegeben werden.

Vorteile:

  • Hohe Verbreitung bei Kunden im In- und Ausland
  • Weniger Zahlungsausfälle, da der Zahlbetrag bei Kauf nochmal vom Kunden bestätigt wird

Nachteile:

  • Im Vergleich zu anderen Bezahlarten hohe Gebühren
  • Durch Rückbuchung des Kaufbetrags ist ein Zahlungsausfall möglich

Vorkasse

Auch die Vorkasse (manchmal auch als Vorauskasse bezeichnet) ist eine klassische Zahlart im Online-Handel. Hier geht der Kunde in finanzielle Vorleistung, da er den vollen Kaufbetrag und eventuell anfallende Gebühren vorab komplett an den Händler überweist. Geht die Zahlung anschließend beim Händler ein, versendet dieser die Ware an den Kunden.

Vorteile:

  • Für die Zahlungsabwicklung entstehen in der Regel keine Gebühren
  • Kein Risiko eines Zahlungsausfalls für den Händler

Nachteile:

  • Das finanzielle Risiko liegt komplett beim Kunden
  • Hohe Abbruchraten im Bestellprozess
  • Schlechte Konversionsrate durch geringe Abzeptanz

Lastschrift

Das Elektronische Lastschriftverfahren (kurz ELV oder einfach nur Lastschrift genannt) zählt zu den meist verbreiteten Zahlungsmethoden. Der Kunde gibt dem Händler seine Bankverbindung bekannt und ermächtigt ihn so, den fälligen Zahlbetrag direkt vom Bankkonto abzubuchen.

Vorteile:

  • Geringe Kosten für die Zahlungsabwicklung
  • Wenig Aufwand, da die Zahlung direkt vom Konto abgebucht wird

Nachteile:

  • Risiko von Zahlungsausfällen für  den Händler, wenn das Bankkonto des Kunden nicht gedeckt ist
  • Der Kunde kann eine bereits erfolgte Zahlung durch eine Rücklastschrift widerrufen
  • Beweisführung vor Gericht erschwert, da keine  Einzugsermächtigung vom Kunden vorliegt

Nachnahme

Hier wird die Ware vom Händler unmittelbar nach der Bestellung verschickt, ganz im Gegensatz zum Vorkasse. Der Kunde bezahlt den fälligen Zahlbetrag direkt beim Zusteller, der die Lieferung übernimmt (in der Regel der Postbote oder ein Paketdienst). Der Zusteller leitet das Geld anschließend gegen eine Gebühr direkt an den Händler weiter.

Vorteil:

  • Kein Risiko für den Händler, da bei Nichtbezahlung keine Ware übergeben wird

Nachteile:

  • Nicht beliebt bei Kunden wegen der hohen Gebühren
  • Der Kunde muss zum Zeitpunkt der Lieferung anzutreffen sein
  • Kosten- und Versandrisiko für den Händler, falls Ware  nicht angenommen wird

E-Payment-Verfahren

Verschiedene Zahlungsmethoden, die speziell für das Online-Shopping konzipiert wurden. Man unterscheidet die drei Kategorien:

  • Verfahren ohne Registrierung beim Zahlungsanbieter, z.B. Prepaid-Karten
  • Verfahren mit einer Registrierung beim Zahlungsanbieter, z.B. PayPal
  • Verfahren zur Direktüberweisung, z.B. SOFORT-Überweisung

Vorteil:

  • Schnelle Abwicklung mit sofortiger Bestätigung der Zahlung

Nachteil:

  • Teilweise hohe Hürden bei der Benutzung, geringe Akzeptanz

Bevorzugte Zahlungsmethoden im Online-Handel

Deutsche Online-Shops bieten den Nutzern mit durchschnittlich 4,6 verschiedenen Zahlungsarten im Vergleich die größte Auswahl. Die am häufigsten angebotenen Zahlungsarten sind Kreditkarte (87%),Rechnung (62%), PayPal und Vorkasse (je 54%). In Bezug auf Zahlung per Rechnung gibt es jedoch große sortimentsspezifische Unterschiede: Jeweils 87% der Shops aus den Bereichen „Sport/Freizeit/Garten“ und „Bücher/Schreibwaren bieten diesen Service an. Unter den „Vollsortimentlern“ sind es sogar neun von zehn Shops.

Studie über Zahlungsmittel aus Sicht des Handels

Der Kauf auf Rechnung ist mit über 25 Prozent Marktanteil das führende Zahlungsmittel im deutschen Online-Handel und somit die beliebteste Bezahlart.  Auf dem zweiten Platz folgt die Zahlung mittels PayPal mit 19 Prozent. Die Kreditkarte belegt mit fast 17 Prozent den dritten Platz. Knapp dahinter folgt auf dem vierten Platz das Lastschriftverfahren mit guten 16 Prozent. Weitere Anteile entfallen auf die Bezahlarten Nachnahme, Vorauskasse und Sofortüberweisung.

Die kostengünstigsten Varianten für den Händler sind dabei:

  • Bezahlung per Vorauskasse – hier entstehen keine Kosten
  • Sofortüberweisung –  Kosten von ca. 0,7 Prozent
  • Lastschrift – Kosten von ca. einem Prozent

Die komplette Studie zeigt aktuelle Marktanteile und Entwicklungen der Zahlungsarten (Rechnung, Kreditkarte, Lastschrift, PayPal, Vorauskasse, Finanzierung, Nachnahme, Sofortüberweisung, Zahlung bei Abholung, Bezahlen mit Amazon) im deutschen E-Commerce-Markt 2013 sowie Strategien und Kosten auf.

Quelle: EHI Online-Payment-Studie 2014

Studie über Zahlungsmittel aus Sicht der Kunden

Die vorliegende Statistik zeigt die meistgenutzten Zahlungsverfahren der Kunden von Online-Händlern. 20 Prozent der befragten Online-Händler gaben an, daß ihre Kunden vorwiegend das Zahlungsverfahren Vorkasse nutzen würden. Laut Grafik hat aber PayPal den höchsten Anteil (mit 35% befragten Händlern).

zahlarten-in-deutschland

Quelle: statista – Meistgenutze Zahlungsverfahren 2013

Zahlarten am Beispiel von reichweitenstarken Online-Shops

Anbieter / Zahlartwww.amazon.dewww.zalando.dewww.weltbild.dewww.conrad.de
Kauf auf RechnungJaJaJaJa
PayPalNeinJaJaJa
LastschriftJaNeinJaJa
KreditkarteJaJaJaJa
VorauskasseNeinNeinNeinJa
NachnahmeNeinNeinNeinJa

Rechnung beste Bewertungs als Online-Zahlungspräferenz

Laut einer Studie des ECC Köln sowie der Hochschule Aschaffenburg erhält das Bestellen auf Rechnung die beste Bewertung von allen Online-Zahlungspräferenzen. Beim Shoppen im Internet stellt der Zahlungsprozess für viele Kunden offensichtlich eine ernstzunehmende Hürde dar. Fehlte bei diversen Shops die präferierte Bezahlart mittels Rechnung, wurde rund jeder dritte Kauf abgebrochen. Aus Sicht des Verbrauchers steht die Rechnung vor allem für Seriösität und Sicherheit. Anderen Zahlarten wird also kein derart großes Vertrauen geschenkt.

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Quelle: Payment-Studie des ECC Köln und der Hochschule Aschaffenburg

Ein Beispiel aus der Praxis: Susi geht shoppen

Wenn es ums Geld geht, hat Susi den Durchblick. Die 33-jährige Mutter zweier Kinder arbeitet halbtags in einer Bank. Aber nicht nur deshalb kennt Susi sich in Finanzdingen aus. Sie shoppt auch gerne im Internet. Für die Kinder, ihren Mann und natürlich für sich selbst kauft sie gerne online ein. Daher weiß sie, dass es beim Online-Shopping unterschiedliche Bezahlsysteme gibt.

Susi mag es absolut nicht, wenn sie die bestellte Ware im Voraus bezahlen muss. Das verleidet ihr den Spaß am Online-Shopping. Denn irgendwie vermittelt es ihr kein Gutes Gefühl, wenn sie Geld überweist und dann auf die Ware warten muss.

Auch die Bezahlart Nachnahme bereitet ihr beim Bestellen Magenschmerzen. Wenn der Paketbote klingelt, muss das Geld bereit liegen. Gerade bei einer größeren Bestellung kann es durchaus passieren, dass die entsprechende Summe mal nicht parat ist. Susi kennt das aus eigener Erfahrung. Der Bote geht unverrichteter Dinge. Ein neuer Übergabetermin muss vereinbart werden.

Ärger ohne Ende, der beim Kauf auf Rechnung vermieden wird. Für Susi ist das die einzige akzeptable Art des Einkaufens. Warum sollte sie in Vorkasse treten? Wenn es schiefläuft, erscheint auf dem Konto eine Lastschrift, die nichts mit dem Preis der Ware zu tun hat. Aus einem Zahlendreher, kann rasch eine utopische Summe werden, mit der das Konto erst einmal belastet wird.

Beim Rechnungskauf wird erst gezahlt, wenn die Ware eingetroffen ist. Und auch nur dann, wenn Susi gefällt, was sie bestellt hat. Beschädigte oder defekte Gegenstände gehen direkt an den Verkäufer zurück. Damit ist der Fall für Susi erledigt. Hätte sie Vorkasse oder per Nachnahme gezahlt, hätte sie nun eine Ware, mit der sie nicht zufrieden ist. Ihr Geld wäre obendrein weg. Zunächst jedenfalls. Was folgt, sind Telefonate mit Hotlines, Schriftverkehr und nervenaufreibendes Warten auf die Rückbuchung.

Der Rechnungskauf bietet dagegen viele Vorteile. Er ist für Susi die einzige seriöse Art, die sie als Kundin akzeptiert. Als Bankkauffrau weiß sie auch, dass eine Rückbuchung eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen kann. Geld weg und keine Ware. So kann es enden, wenn ein Käufer im Internet seine Bankdaten preisgibt. Oder Bankdaten und Geld weg.

Susi weiß als erfahrene Bankkauffrau, welche Gefahren im Internet lauern. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen können die persönlichen Bankdaten in die falschen Hände geraten. Die kriminellen Hacker sind rund um die Uhr tätig und lassen sich immer wieder neue Tricks einfallen. Gegen diese fiesen Methoden wappnet Susi sich. Von Internetgangstern lässt sie sich nicht die Freude am Online-Shopping verderben.

Mit dem Kauf auf Rechnung ist sie auf der sicheren Seite. Sie beweist Umsicht, worüber sich auch ihre Familie freut. Für die risikolose Bezahlart spricht ein weiterer Pluspunkt. Wenn Susi mal das Budget für ihre Einkäufe überzogen hat, kann sie jederzeit eine Zahlpause einlegen. Deshalb versteht sie nicht, wie sich überhaupt jemand gegen das sorgenfreie Einkaufen sperren kann. Null Risiko und absolute Sicherheit. Bezahlt wird erst, wenn die Ware wohlbehalten beim Käufer angekommen ist. Und auch nur dann, wenn Susi nichts auszusetzen hat. Für Susi zählt daher nur eine Bestellung auf Rechnung.